Denkt man an die arabische Welt, tauchen automatisch Begriffe auf, wie 1001 Nacht, Erzählkunst, Märchen usw. Allerdings sucht man nach Ursprung diese Märchen und Erzählungen, findet man kaum was rein Arabisches drin. Bis jetzt ist der Ursprung von Tausendundeine Nacht, ob in Indien oder Persien ist, noch nicht und wahrscheinlich nie festgestellt werden kann. Fakt ist: die Sammlung dieser morgenländischen Erzählungen wurde im 8. Jahrhundert ins Arabische übersetzt. Das gilt auch für die bekannten Erzählungen von Kalila und Dimna.

Vor kurzem habe ich eine Anfrage erhalten, auf verschriftlichte Beweise für die arabische speziell die syrische Erzählkunst bzw. Tradition hinzuweisen, da man glaubt, dass diese Form Story Telling hoch effizient bei Arabern sein kann, um Wissen und Ideen zu übertragen.

Erzählkunst gibt es leider nicht direkt in der arabischen Tradition. Im Gegenteil: ein arabischer Autor (محمد محمود البشتاوي) behauptete in einem neuen erschienen Buch, dass die Erzählkunst gar nicht in der arabischen Kultur existiert. Und das ist erstaunlich zur Recht, denn die meisten (im Westen bekannten Erzählungen und Traditionen, wie 1001 Nacht) keinen arabischen Ursprung haben, sondern eher Persisch! Was die arabische Kultur aber besonders macht ist das Schwergewicht der Poesie bzw. Lyrik und das wurde für die Wissensübertragung tatsächlich benutzt. Leider ist diese Funktion seit über 500 Jahren (mit Ausnahme kurze Renaissance zwischen 1880 – 1960) fast komplett abgestorben und  Poesie bzw. Lyrik wird nur von ganz kleiner Menge von Intellektuellen und Exzentrikern in der heutigen arabischen Kultur verstanden und das ist leider nicht mehr tauglich für Wissensübertragung.

Schaut man heute die arabischsprachigen TV-Kindersender, wie baraem oder jeem findet man schnell, dass es nur zwei rein arabische Kindererzählungen existieren mit insgesamt 40 Minuten Sendezeit und alle anderen Sendungen rund um die Uhr aus amerikanischen, japanischen oder russischen Kindererzählungen stammen, die ins Arabisch übersetzt sind. Das gleiche gilt übrigens für gedruckte Kinderbücher: kleine Ausnahme machen die Bücher von Kamil Keilany, die im deutschsprachigen Raum komplett unbekannt sind. Andere Bücher wirken entweder zu arabisch oder total unvertraut auf.

Das bedeutet aber nicht, dass Erzählkunst keinen Stellenwert in der arabischen Kultur ist. Aus verschiedenen Forschungen ist es bekannt, dass Story Telling gut funktionieren kann, um komplizierte Funktionen und Themen zu erklären und verständlich zu machen.  Es ist durchaus logisch, dass Erzählkunst auch die gleiche Funktion bei der Informationsverarbeitung bei Menschen aus der arabischen Kultur hat.  Das heißt aber nicht, dass Story Telling reinen arabischen Ursprung hat, sondern im Gegenteil: es existiert kaum! Globalisierung bzw. globale Vernetzung funktioniert ja immer seit Ewigkeiten, um kulturelle Funktionen zu übertragen!

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