Silvester rückt immer näher und ein der meisten diskutierten Themen in den Notunterkünften für Flüchtlinge ist: Was sollen wir jetzt machen? Werden schlimme Erinnerungen durch diese lauten Knaller hervorgerufen? kennen Flüchtlinge solche Feuerwerkskörper? Gibt es in den Ländern aus denen die Geflüchteten kommen, wie Syrien und Irak solche Feuerwerkskörper oder ist das nur ein westliches Phänomen? Feiert man überhaupt den Jahreswechsel in Ländern mit mehrheitlicher islamischen Bevölkerung?

Ich möchte daran erinnern, dass das Feuerwerk ursprünglich aus China stammt. Das ist ein interessantes Beispiel für Kultur als wanderndes Produkt. Viele Beiträge unterschiedlicher Qualitäten im Netz gehen auf die Frage: warum feiern wir heute Silvester und seit wann? oder Der Ursprung der Silvesterfeiern. Die historische Perspektive ist immer interessant, um einen Entwicklungszustand eines Phänomens zu beschreiben. Beschäftigt sich man häufiger mit der historischen Dimension eines Phänomens, werden Ausdrücke, wie reich westlich, weniger gebraucht. Es geht hier nicht um den sprachlichen Gebrauch, sondern um die dahinter stehenden Einstellungen, Überzeugungen, sozialen Repräsentationen und Weltvorstellungen. Alle diesen Dinge hängen mit der interkulturellen Kompetenz zusammen.

Nun die praktische Frage: was sollen wir machen? sollen wir darauf hinweisen, dass es am 31.12 und 01.01 laut wird? Ich fasse die mit vielen Organisationsteams in Notunterkünften besprochene Vorgehensweise zusammen:

  • Hinweisschilder auf Deutsch und mehrsprachig von Muttersprachlern übersetzen, überprüfen und aushängen. Dabei soll hingewiesen werden auf: was am Silvester passiert, von wann bis wann und die gesetzlichen Regeln ganz klar und explizit kommunizieren, dass es nur am 31.12 um Mitternacht und am 01.01 geknallt werden darf und danach gilt das als absolut verboten.
  • Neben dieser formellen Sache gibt es folgendes noch zu wissen:
    • Feuerwerkskörper der Klasse II (Raketen, Knaller usw., die man in Deutschland ab dem 28.12 kaufen kann) sind bekannt in Syrien, Irak und wahrscheinlich in allen Ländern der Welt.
    • Für viele syrischen Geflüchtete kann das Abfeuern von Feuerwerk viele schlimmen Erinnerungen hervorrufen. Das Feuerwerk an sich ist mit negativen Erfahrungen belegt; als das Assad-Regime 2011 mit Bombardierung des Volks bis dato angefangen hat, behaupteten seine Medien, dass diese keine Bomben sind, sondern Feuerwerk!
    • Ein Hinweisschild auszuhängen reicht meistens nicht aus, um wichtige Informationen bekannt zu machen, sondern ein direktes Gespräch mit den Bewohnern kann bessere Ergebnisse bringen.
      • Wie Sie das Gespräch mit den Bewohnern Ihrer Einrichtung organisieren können, ist Ihnen überlassen.
      • Die Umsetzung ist vielfältig:
      • Info-Veranstaltung für alle Bewohner
      • Wichtige Mitteilung in den Zeiten, wo Sie die meisten Bewohner erreichen können (z.B. Esszeiten)
      • Einzelgespräch mit wichtigen Personen, die einen Einfluss über andere Bewohner haben.
      • Mitteilung im Sprachunterricht, Kindergarten, Spielplatz, usw.
      • Das wichtigste ist, auf die gesetzliche Bestimmung sehr aufmerksam zu machen, dass jegliches Feuerwerk ab dem 02.01.2016 bis 30.12.2016 einer behördlichen Genehmigung bedarf und das Missachten dieser Bestimmung mit Freiheitsstrafe behandelt werden kann.
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