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Es ist wirklich seltsam: kaum ein Hinweisschild ist richtig geschrieben. Die Mitarbeiter der Organisationsteams machen sich Mühe und übersetzen alles ins Arabische bzw. in andere Sprachen, damit die Bewohner alle Informationen über Hausordnung, Mahlzeiten und Ähnliches in ihrer Muttersprache lesen können. Die Mitarbeiter beschweren sich,  dass die Schilder ungeachtet bleiben, als ob man sie nicht lesen bzw. verstehen kann.

Nach einem ersten Rundgang habe ich festgestellt, dass mindestens 6 von 10 Schildern komplett falsch sind und dass sie viele Rechtschreibfehler aufweisen, dass man die Schilder nicht verstehen kann. Diese Sache habe ich in 10 Einrichtungen für Flüchtlinge in Hessen und NRW erlebt.

Eine Mitarbeiterin hat mir ausgeschildert, wie sie die Schilder gemacht hat: “Unser ehrenamtlicher Übersetzer ist Araber und er hat uns die Worte ins Arabische übersetzt und uns als PDF Datei zugesendet. Wir haben die Datei mit unserem PDF Reader geöffnet und in unser Textverarbeitungsprogramm kopiert, formatiert und ausgedruckt”. Und genau hier liegt die Quelle des Fehlers, das öfter beim Kopieren zwischen verschiedenen Dateiformaten passiert. Arabische Sprache wird von rechts nach links geschrieben und manche Textverarbeitungsprogramme bzw. Grafik-Software erkennen das nicht automatisch und daher ist die Reihenfolge der Worte bzw. der Buchstaben fehlerhaft. Als Beispiel: man möchte den Hinweis “Frühstückszeit” übersetzen. Die richtige arabische Übersetzung wäre “مواعيد الإفطار”. Am schlimmsten wäre, wenn anstelle davon so was stehen würde ”  ا ل إ ف ط ا ر  م واع   ي د“, was ein normaler Muttersprachler nicht verstehen würde. Die Mitarbeiterin wollte ein “Frühstückszeit” Schild aufhängen, daraus ist “t i e z s k c ü t s h ü r f” geworden. Dieses Problem von Verdrehung der arabischen Buchstaben und falscher Darstellung von arabischen Texten ist ein häufig passierter Fehler. Dieser Fehler passiert fast musterhaft und egal wo, ob in einer Broschüre eines Kölner Beratungsinstituts für gewaltfreie Erziehung, oder ob in einem Katalog eines globalen Herstellers für Sensorlösungen für Logistik- und Prozessautomation oder eines spanischen Hersteller von Sportgeräten.

Die Stadtverwaltung einer deutschen Stadt hat diesen Fehler verewigt: jeder Besucher, der Arabisch kann, kann die falsche Darstellung der arabischen Begrüßung im Ortseingang des Industriegebiets bewundern. Und das ist in Metal eingraviert!

Interkulturell betrachtet kann der der deutsche Kulturstandard “Internalisierte Kontrolle” dafür als Erklärung fungieren: “Alle Beteiligten haben verläßlich zu sein. Eine Sache ist organisiert und jetzt wird von allen erwartet, daß sie sich korrekt an ihre Zuständigkeit halten und ihre Aufgabe erfüllen. Nur in diesem Zusammenspiel aller funktioniert das System” (Quelle: Sylvia Schroll-Machl, Deutschland). Denken in Zuständigkeit kann jedoch eine falsche  Erwartungshaltung und unerfüllbare Vorstellungen erzeugen. Das ist zu lösen und sich von einem “Denken in Zuständigkeit” zu einem “übergreifenden Denksystem” zu bewegen, ist eine Kunst der interkulturellen Selbstentwicklung.

 

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