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Ist Ihnen der Unterschied zwischen Migranten, Flüchtlingen, Zuwanderer und Asylbewerbern bekannt? Haben Sie den Eindruck, dass alle diese Wörter synonym verwendet werden? Handelt es sich um das gleiche Phänomen? oder gibt es tatsächlich Unterschied zwischen Migration, Flucht suchen, Zuwanderung und Asylbewerbung?

Eine bewusste Trennung zwischen den Begriffen scheint es nicht konsequent zu geben. Auch Hilfsorganisationen und Beratungsunternehmen, die eigentlich Flüchtlingen helfen, benutzen gleiche Begriffe quasi als synonym. Eine Organisation, wie MOAS (Migrant Offshore Aid Station) ist ein Beispiel dafür. Die eigentliche Arbeit von MOAS ist die Seenotrettung von Flüchtlingen. Die Selbstbeschreibung der Arbeit der Organisation sieht so aus: “MOAS sind internationale humanitäre Helfer, Sicherheitsfachleute, Mediziner und erfahrene Seeleute, die sich zusammengefunden haben, um Katastrophen auf See zu verhindern. Sie nehmen die Notlage all derjenigen ernst, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben ohne Gewalt befinden. Anlass für die Gründung von MOAS war das Ertrinken von 400 Migranten vor der italienischen Insel Lampedusa im Jahr 2013. MOAS patrouilliert die Hauptschifffahrtswege der Migranten…….). Ein anderes Beispiel steht auf der Seite von MigrantReport mit der folgenden Selbstbeschreibung: “Migrant Report is an online project designed to track, centralize and examine the impact of human movement. Our primary focus in is in the Mediterranean as it applies to migration to Europe.” Auch Beratungsunternehmen, die Kommunikationstrainings zum Thema Flüchtlinge scheinen nicht zu unterscheiden zwischen Migration, Zuwanderung und Flucht.

Die Webseite der Tagesschau hat einen interessanten Beitrag dazu gemacht unter dem Titel Asylbewerber, Flüchtlinge, Migranten – was sind die Unterschiede? auch das Bayerische Fernsehen hat einen ähnlichen Beitrag gemacht: Flüchtlinge, Asylbewerber, Migranten Was unterscheidet sie? Ich zitiere aus beiden Beiträgen folgende Definitionen:

Flüchtlinge Definition auf BR.deAls Flüchtlinge werden nicht nur politisch Verfolgte anerkannt, sondern auch Menschen, denen wegen ihrer Rasse, Religion oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe in ihrem Heimatland Gefahr droht. Anders als bei Asylberechtigten muss diese Gefahr nicht vom Staat ausgehen, sondern kann auch von Parteien oder Organisationen stammen. Auch die Einreise über ein Drittland ist kein Problem. Wird ein Mensch in Deutschland als Flüchtling aufgenommen, hat er sofort die Erlaubnis zu arbeiten. Früher haben Asylberechtigte eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommen, Flüchtlinge nur eine befristete. Mittlerweile sind die Regelungen quasi identisch.

Flüchtlinge Definition auf tagesschau.deUmgangssprachlich sprechen wir bei den meisten Menschen, die aus Not nach Deutschland kommen, von Flüchtlingen. Juristisch ist der Begriff enger gefasst: Demnach wird nur derjenige als Flüchtling in Deutschland definiert, der unter die Bestimmungen der Genfer Flüchtlingskonvention fällt. Flüchtling nach der Genfer Konvention ist, wer eine begründete Furcht vor Verfolgung hat. Gründe können seine Ethnie, Religion, Nationalität, politische Überzeugung oder seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe sein.
Der Flüchtling weiß, dass er deswegen den Schutz seines Landes nicht in Anspruch nehmen oder wegen dieser Furcht vor Verfolgung nicht mehr dorthin zurückkehren kann.
Ein Flüchtling hat das Recht auf Sicherheit in einem anderen Land.
Ob die Bestimmungen erfüllt sind und der Mensch in Deutschland bleiben darf, prüft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft regelt Artikel 3 des Asylverfahrensgesetzes. Ein anerkannter Flüchtling hat in Deutschland dieselben Rechte wie ein Asylberechtigter. Er enthält zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre und eine Arbeitserlaubnis. Danach wird der Schutzstatus überprüft. Sofern die Anerkennung nicht widerrufen wird, kann der anerkannte Flüchtling nach drei Jahren eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erhalten..

Migranten Defintion auf BR.de: Ein Migrant ist im Prinzip jeder, der an einen anderen Ort zieht, innerhalb eines Landes oder über Staatsgrenzen hinweg. Genau genommen sind also auch Flüchtlinge Migranten. Meist ist aber von Migration die Rede, wenn jemand das Land verlässt, um seine Lebensbedingungen zu verbessern und nicht, weil er in seinem Heimatland in Gefahr ist. Migration geschieht vorwiegend aus wirtschaftlichen, politischen oder Sicherheitsgründen, beispielsweise die Aussicht auf einen besser bezahlten Job. Ein EU-Bürger hat sowieso das Recht, in jedem Land der EU zu arbeiten. Wer aus einem anderen Land kommt, braucht eine Aufenthaltsgenehmigung. Die vergibt das BAMF zum Beispiel an diejenigen, die in Deutschland eine Arbeit oder einen Studienplatz gefunden haben.

Definition von Migranten auf tagesschau.deEin Migrant ist, wer innerhalb eines Landes oder über Staatsgrenzen hinweg an einen anderen Ort zieht. Genau genommen sind also auch Flüchtlinge Migranten. Meist ist jedoch von Migration die Rede, wenn jemand sein Heimatland freiwillig verlässt, um seine Lebensbedingungen zu verbessern.

Wie unterscheiden sich Flüchtlinge, Migranten und Asylbewerber? Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, werden als “Flüchtlinge” bezeichnet. Menschen, die aus eigenem Antrieb ihr Land verlassen, gelten als “Migranten”. Menschen, die einen Asylantrag gestellt haben, über den noch nicht entschieden wurde, werden als “Asylbewerber” bezeichnet.

Bei der letzen Definition kommt es also darauf an, ob jemand gezwungenen zur Flucht ist oder ob jemand seinen Wohnort freiwillig verlegt. Beim ersten Fall reden wir klar und direkt von “Flüchtlingen” beim zweiten Fall von “Migration” bzw. mit dem deutschen Äquivalenz “Zuwanderung”. Um klare Abgrenzung zwischen den Begriffen zu schaffen, um eine inflationäre Verwendung zu vermeiden, muss man bestimmte Kriterien abfragen: Dauerhaftigkeit des Aufenthalts und wie wird das geregelt? Motivation der Flucht? Auslöser der Flucht? Intention? um einige zu nennen.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) betreut verschiedene Aufgaben: darunter Entscheidungen über Asylanträge und Abschiebeschutz und Integration von Zuwanderern sowie Humanitäre Aufnahme: “Die humanitäre Aufnahme ist eine zeitlich begrenzte Aufnahme von Flüchtlingen aus ein Kriegs- bzw. Krisengebiet”.  Diese humanitäre Aufnahme erklärt das Handeln der Politik im aktuellen Diskurs. Wahrscheinlich hätte man eine Stabsstelle für Humanitäre Aufnahme von Flüchtlingen dieses Jahr einrichten sollen, um das ganze besser zu koordinieren.

Warum ist eine klare Unterscheidung wichtig?

Durch die synonyme Verwendung von Begriffe, wie Migranten, Flüchtlinge, Zuwanderer und Asylbewerber schafft man eine neue übergeordnete Kategorie des Anderen, des Fremden, wodurch sich immer dieselbe Debatte auslöst: Wir und sie. Eigentlich ist das eine Ausnahmesituation einer humanitären Aufnahme, aber trotzdem wird die Diskussion unfrei von Kategorien ausgeführt: wir und sie. Und es läuft immer das gleiche: Angst und Gefahr vom Integrationsunwilligen, bildungsfernen Fremden, obwohl es in der aktuellen Situation um  eine humanitäre Aufnahme geht!!

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