Syrien verstehen und kompetenter Umgang mit Syrern und Arabern: Marketingspielereien?!

In einem Beitrag Syrien und die virtuelle Welt habe ich über einen unbewussten Denkfehler hingewiesen, den manche Menschen unabsichtlich machen. Um Geflüchtete Menschen aus Syrien zu verstehen und die Gründe für manche Herausforderungen zu analysieren, liest man ein Buch über Syrien, wie z.B. das sehr empfehlenswerte Buch von Gerhard Schweizer Syrien verstehen, das sehr interessante Beiträge zu aktuellen und historischen Themen, wie Wurzeln des anti-westlichen Nationalismus, Frauenrechte in Koran, Hadith und Scharia usw. beinhaltet. Es gibt neben diesem Buch auch weitere speziell zu Syrien, die das Land und die gesamte Region sowie die Religionen analysieren und für die Leser verständlich machen.

In den Integrationsabenden und Workshops mit syrischen Geflüchteten werden die Inhalte dieser Büchern mit den Teilnehmenden diskutiert. Das Lernziel dabei ist, das Fremdbild zu wissen: was denken Deutsche bzw. Menschen in den deutschsprachigen Medien über Syrien und Syrer, ihre Religion, Geschichte und Traditionen und woher kommt das wissen? Interessante und aussagekräftige Beiträge von syrischen Geflüchteten werden als Ad-hoc Datenerhebung für spätete Auswertungen gesammelt.  Folgende drei Aussagen sind am interessantesten und wurden von 60% der Teilnehmenden vertreten (N=56, m, M=29):

  1. “Warum reden sie nicht mit uns statt ein Buch  über uns zu lesen?”.
  2. “Es gibt ganz viele schlaue Leute aus Syrien, die eine authentische Analyse über das Land geben können als solche Fremdbeschreibung”
  3. “Die Deutschen analysieren uns aus ihrer Sicht und mit ihren Mitteln und Instrumenten und entwickeln Lösungen für uns aus ihrer Sicht. Wir sind das Objekt, mit dem man machen, was man will!”

Der Markt von Seminaren zum Thema Umgang mit Flüchtlingen, Interkulturelle Kompetenz für Ehrenamtliche und Flüchtlingshilfe usw. boomt und das ist übrigens sehr wichtig und macht Sinn, um kulturbedingte Herausforderungen zu antizipieren und passende Lösungen zu finden. Allerdings machen anekdotenhafte Veranstaltungen, betitelt mit “Syrer verstehen: Kommunikation mit Jungen Leuten aus dem Morgenland” oder “Syrien verstehen für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe” wenigeren Sinn, wenn sie sich auf Syrien vor dem Krieg beziehen und inhaltliche Informationen daraus ableiten. Alle Teilnehmenden in meiner Befragung bestätigen, dass Syrien und Syrer vor dem Krieg haben nichts mit Syrien und Syrern nach dem Krieg zu tun. Ein Teilnehmende bringt das auf den Punkt:

“Alles was wir früher gemacht haben, ist jetzt ganz weg und für immer gegangen: Das Vertrauen an Freunden, Nachbarn, Bekannten usw. ist weg. Die Unbekümmertheit und Gelassenheit ist weg. Wir haben alles verloren und ich möchte schon gestern ein normales Leben wieder haben – ein biscchen normales Leben, egal wo, egal in welcher Kultur, egal wer die Nachbarn sind, egal was sie sprechen. Ich fange von Null an und alles, was ich kannte, was mir vertraut ist, ist weg, für immer weg. Ich fange von Null an und ich bin den Menschen in Deutschland, die uns aufgenommen haben, sehr sehr dankbar und ich hoffe, irgendwann kann ich das zurückgeben. Es wäre gut, wenn sich die Menschen mit uns jetzt beschäftigen und mit uns jetzt reden und sich weniger interessieren für, wie wir waren oder woher wir kommen, denn wir jetzt ganz anders geworden sind!”

Es existiert wenig empirisches interkulturelles Wissen über Syrien, das unsere Annahmen und Hypothesen beschreiben und begründen kann. Wenn die Theorien des interkulturellen Managements über Middle East bzw. Arabic Cluster reden, wie Globe Study, dann meistens findet man Datenerhebungen aus  Ägypten, Marokko, Jordanien oder Saudi Arabien. Andere Studie, wie Facework in Syria and the United States: A cross-cultural comparison beziehen sich auf die sehr bekannten Kulturdimensionen von Gert Hofstede (Die Scores von Syrien in dieser Studie sind wie folg – kleine Zahlen geben Hinweis auf niedrige Ausprägung, große Zahlen geben Hinweis auf hohe Ausprägung)

  • Machtdistanz: 80 (Akzeptanz von Ungleichverteilung von Macht)
  • Individualismus und Kollektivismus: 35 (Zugehörigkeit zu einer Gruppe)
  • Maskulinität versus Femininität: 52 (Unterscheidung zwischen Frauen- und Männerarbeit aber auch Fürsorglichkeit und Kooperation als kollektive Werte)
  • Ungewissheitsvermeidung : 60 (Orientierung an Regeln und Vorgaben)

Es wurde viel über diese Dimensionen geschrieben sowie viel Kritik und einiges findet man z.B. in einem Artikel von Alexander Thomas und Astrid Utler.

Ich plädiere dafür, dass der inhaltliche Fokus von Workshops und Trainings zum Thema Kommunikation mit Geflüchteten aus Syrien nicht schwerpunktmäßig auf die wenigen Studien über Syrien vor dem Krieg gerichtet werden soll, sondern eher auf die momentane Situation der Gruppe bzw. des Individuums. Ich plädiere für eine ausgewogene Inhalte, die nicht nur auf Kultur der Syrer vor dem Krieg bezieht, sondern Aspekte der Situation und der individuellen Biographie behandelt. Das ist sehr wichtig, um echte und evaluationsfähige Bildungsziele zu erreichen, und nicht nur Marketing-Strategien und ökonomische Ziele zu verwirklichen.

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Wissensübertragung und Erzähltraditionen in der arabischen Kultur: Irrtum oder Fiktion?

Denkt man an die arabische Welt, tauchen automatisch Begriffe auf, wie 1001 Nacht, Erzählkunst, Märchen usw. Allerdings sucht man nach Ursprung diese Märchen und Erzählungen, findet man kaum was rein Arabisches drin. Bis jetzt ist der Ursprung von Tausendundeine Nacht, ob in Indien oder Persien ist, noch nicht und wahrscheinlich nie festgestellt werden kann. Fakt ist: die Sammlung dieser morgenländischen Erzählungen wurde im 8. Jahrhundert ins Arabische übersetzt. Das gilt auch für die bekannten Erzählungen von Kalila und Dimna.

Vor kurzem habe ich eine Anfrage erhalten, auf verschriftlichte Beweise für die arabische speziell die syrische Erzählkunst bzw. Tradition hinzuweisen, da man glaubt, dass diese Form Story Telling hoch effizient bei Arabern sein kann, um Wissen und Ideen zu übertragen.

Erzählkunst gibt es leider nicht direkt in der arabischen Tradition. Im Gegenteil: ein arabischer Autor (محمد محمود البشتاوي) behauptete in einem neuen erschienen Buch, dass die Erzählkunst gar nicht in der arabischen Kultur existiert. Und das ist erstaunlich zur Recht, denn die meisten (im Westen bekannten Erzählungen und Traditionen, wie 1001 Nacht) keinen arabischen Ursprung haben, sondern eher Persisch! Was die arabische Kultur aber besonders macht ist das Schwergewicht der Poesie bzw. Lyrik und das wurde für die Wissensübertragung tatsächlich benutzt. Leider ist diese Funktion seit über 500 Jahren (mit Ausnahme kurze Renaissance zwischen 1880 – 1960) fast komplett abgestorben und  Poesie bzw. Lyrik wird nur von ganz kleiner Menge von Intellektuellen und Exzentrikern in der heutigen arabischen Kultur verstanden und das ist leider nicht mehr tauglich für Wissensübertragung.

Schaut man heute die arabischsprachigen TV-Kindersender, wie baraem oder jeem findet man schnell, dass es nur zwei rein arabische Kindererzählungen existieren mit insgesamt 40 Minuten Sendezeit und alle anderen Sendungen rund um die Uhr aus amerikanischen, japanischen oder russischen Kindererzählungen stammen, die ins Arabisch übersetzt sind. Das gleiche gilt übrigens für gedruckte Kinderbücher: kleine Ausnahme machen die Bücher von Kamil Keilany, die im deutschsprachigen Raum komplett unbekannt sind. Andere Bücher wirken entweder zu arabisch oder total unvertraut auf.

Das bedeutet aber nicht, dass Erzählkunst keinen Stellenwert in der arabischen Kultur ist. Aus verschiedenen Forschungen ist es bekannt, dass Story Telling gut funktionieren kann, um komplizierte Funktionen und Themen zu erklären und verständlich zu machen.  Es ist durchaus logisch, dass Erzählkunst auch die gleiche Funktion bei der Informationsverarbeitung bei Menschen aus der arabischen Kultur hat.  Das heißt aber nicht, dass Story Telling reinen arabischen Ursprung hat, sondern im Gegenteil: es existiert kaum! Globalisierung bzw. globale Vernetzung funktioniert ja immer seit Ewigkeiten, um kulturelle Funktionen zu übertragen!

Ich vermiete keine Wohnungen an Flüchtlinge! Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber…….

Zahlreiche Zeitungen berichten von der Situation der Geflüchteten, die auf der Suche nach Mietwohnungen sind: Flüchtlinge daheim: Freud und Leid von zwei Vermietern oder Wohnung an Flüchtlinge aus Syrien vermittelt. Ein anderes positives Beispiel aus Schwerte Schwerter geben Flüchtlingen ein Zuhause: So klappt Integration zeigt das positive humane Bild der Willkommen Kultur und ein anderer Bericht zeigt manche bittere Realität Flüchtlinge zwischen Straße und Bruchbude.

Aus meinen Erfahrungen im Ehrenamt und Begleitung von syrischen Geflüchteten in Eitorf erlebe ich, dass es nicht einfach ist, für Geflüchtete eine normale Wohnung zu finden. Diskriminierung bei der Wohnungssuche ist eine Realität und das ist wahrscheinlich so überall auf der Welt. Die Tageszeitung berichtet Wenn Vermieter nur noch abwimmeln , dass rein rechtlich diese Praxis ein Fall der Antidiskriminierungsstellen sein soll. Aus diesem juristischen Luxus können sich die Flüchtlinge sowieso kam Gebrauch machen. Die praktische Frage ist: was kann man machen?

Es ist sehr simpel und aus dem Kontext zusammengerissen zu behaupten, dass Vermieter Vorurteile haben und entsprechend reagieren und Flüchtlinge ablehnen. Vermieter haben Vorurteile gegen Alleinerziehende Mütter, Ausländer, alle, die einen nicht bio-deutschen Namen tragen, Muslime, Schwarze, Familien mit mehr als 2 Kindern, Arbeitslosen usw. Um ein Problem zu lösen, muss man leider annehmen und akzeptieren, dass es normal, dass Vermieter Vorurteile haben. Wir lassen die moralische Seite erst mal jetzt und schauen wir, wie man das Problem löst. Meine Empfehlung für alle, die Flüchtlingen bei der Wohnungssuche helfen möchten, sind:

  • Alle Dokumente kopieren und mitnehmen, z.B. Geburtsurkunde, Aufenthaltsstatus, Anschreiben der Arbeitsagentur wegen der Übernahme der Kosten usw.
  • Alle Fragen der Vermieter ernst nehmen und darauf antworten. Manche Vermieter möchten wissen, was die Flüchtlinge den ganzen Tag machen, welche Sendungen sie im Fernseher anschauen, arabische oder deutsche Sendungen, sind sie religiös oder eher weniger? Man muss leider zugestehen, dass manche Fragen sehr privat sind und auf starke Machtasymmetrien hindeuten.
  • Ehrenamtliche Helfer sollen den Flüchtlingen beim Vorstellungsgespräch bzw. Besichtigungstermin unterstützen. Am einfachsten: dabei sein und die Flüchtlinge nicht alleine lassen. Sprachliche Barrieren können die Vorurteile bestätigen und verstärken.
  • Flüchtlinge auf das Gespräch und den Besichtigungstermin stark vorbereiten: kleine Kinder sollen es vermeiden, zu toben und wild laufen. Frauen und Mädchen sollen ein bisschen selbstsicherer auftreten und Fragen an den Vermieter stellen usw. Das wichtigste: so viele Nebengespräche auf Arabisch vermeiden!

Alles Gute und Viel Erfolg beim Umsetzen!

Und immer wieder falsche Darstellung von arabischen Texten!

In einem Artikel habe ich auf die falsche Darstellung von arabischen Texten hingewiesen und die Ursachen für die Umkehrung von arabischen Buchstaben genannt, wenn man ein arabisches Wort von einem Programm ins andere aufnimmt. Das neue Lied von Thomas Godoj Einfach Mensch enthält leider diesen Fehler. Siehe Bild:

mensch-sein

Man sieht das Wort “ل ج ر”. Eigentlich soll das heißen “رجل”. Was ist da schief gelaufen, ist ganz einfach:

Man hat das Wort Mensch = Arabisch رجل kopiert und in ein anders Programm eingefügt. Das Programm erkennt die Schreibrichtung von Rechts nach Links nicht und er verdreht die Buchstaben und somit bleibt dieser Kleinigkeit Fehler für die Ewigkeit in diesem schönen Lied. Was ist die Lösung?

  • Technische Lösung: Grafiker und Medienexperten sollen vor der Veröffentlichung überprüfen, ob ihre Softeware kompatible für die arabische Sprache ist. Es fehlt meistens ein Plug-in. mehr nicht!
  • Menschliche Lösung: vier Augen sehen immer besser als zwei. Korrektur lesen vor der Veröffentlichung!

Es ist tatsächlich erstaunlich, dass man viel Arbeit daran investiert und trotzdem passiert diese Sache immer und immer wieder. Und hier ist ein Beispiel. Es geht hier nicht um ein einziges Wort, sondern um 2 Seiten. Schade!

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Flüchtlinge füttern die Enten und zerstören unser Ökosystem: Was kann man dagegen tun?

Eine besorgte Teilnehmerin an einer Abendveranstaltung in der Stadt Radolfzell am Bodensee erzählt, warum sie mit der aktuellen Flüchtlingspolitik nicht zufrieden ist und das alles auf sie persönlich wirkt und ihre Freiheit einschränkt. Ich habe sie gefragt, ob sie ein konkretes Erlebnis aus ihrem Leben in den letzten vier Wochen ausschildern kann, damit die anderen Teilnehmenden das nachvollziehen können, denn über die Hälfte der anwesenden Teilnehmenden solche Erfahrungen überhaupt nicht gemacht haben. Die 84 jährige sagte, dass Flüchtlinge keinen Platz für sie machen wollen, wenn sie sich hinsitzen möchte und dass sie die Enten und Wasservögeln füttern und das kränkt sie und sie kann nichts dagegen machen, obwohl sie Wut und Enttäuschung Tag für Tag empfindet.

In einem Spaziergang am nächsten Tag sah ich einen Mann im mittleren Alter Enten füttern. Ich habe die Szene ca. 5 Minuten beobachtet und einige unzufriedene Kommentare von Passanten und sitzenden Menschen gehört. “Das gibt es doch gar nicht. Er füttert die mit Muffins und Kuchen. Oh Gott oh Gott” sagte eine Stimme. Ich bin direkt zum Mann gegangen und mich mit ihm ca. 30 Minuten auf Arabisch unterhalten. Der Syrer sammelte sein mitgebrachtes Brot usw. und hat versprochen, dass er keine Enten mehr füttern wird und dass er soweit nicht gedacht hat, dass einige Leute das Füttern von Enten nicht sehen wollen. Wie habe ich dieses Ergebnis erreicht. Wie ist es gelungen, das Verhalten des Mannes in ca. 30 Minuten zu ändern? Ohne zu modellieren und philosophieren habe ich festgestellt, dass man das unerwünschte Verhalten Anderer verändern kann, wenn man folgende Möglichkeiten versucht:

Abwehrhaltungen zuhören, ernst nehmen und nicht dagegen argumentieren: “ich war über all auf dieser Welt. In China, in Florida, in Argentinien. Die Leute dort und vor allem die Touristen füttern die Enten und keine hat was dagegen. Im Gegenteil: die Einheimischen freuen sich darüber. Und warum soll sich eine 84 Jährige darüber ärgern?”. “Sie ärgern sich, weil wir Araber sind. Das ist die Wahrheit. Egal was du machst, Sie finden immer irgendwas, was ihnen nicht gefällt”. “Mein Cousin lebt hier seit 20 Jahren und er hat immer ein Problem, eine Wohnug zu finden. Warum? weil er einen arabischen Namen trägt” Mein Gesprächspartner hat die ganze Palette an Vorurteilen, Stereotypen und erlebten bzw. imaginierten Diskriminierungserfahrungen  ausgespuckt und möglicherweise das Gespräch genutzt, um seine Frustrationen, Enttäuschungen und Ängste loszuwerden. Ich habe das alles angehört, bis der Mann sich beruhigt hat und in der Lage war, sich rational statt emotional zu reagieren. Anschließend kann man die zweite Möglichkeit versuchen.

Präzisieren, um die Gründe für die emotionale Reaktion zu identifizieren: “Ich bin Deutschland sehr dankbar. Die Menschen hier sind echt sehr freundlich und respektieren dich, egal wer du bist”. “Ich hatte nicht erwartet, dass die Deutschen uns so mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft empfangen. Ich weiß auch nicht, wie ich meine Dankbarkeit zurückgeben kann”. “Ich bin enttäuscht vom Schicksal. Ich habe ganz normal in Damaskus gelebt. Ich hatte eine Villa und meine eigene IT-Firma. Ich bin geflohen aus Syrien, weil ich Angst um Kinder hatte, denn viele Kinder wurden in den letzten 2 Jahren gekidnappt und deshalb bin ich geflohen im Oktober 2015 aus Syrien”. “Ich bin enttäuscht, wütend und zornig, weil ich mein normales Leben nicht wieder haben kann.” Die Gründe für die emotionale Reaktion haben also nicht mit Enttäuschung aus Deutschland oder den Deutschen zu tun, sondern eher mit der Unkontrollierbarkeit der Bedingungen zu tun. Im Gegenteil der Syrer ist den Deutschen sehr dankbar, weil er hier Schutz und Hilfe gefunden hat. Aus dem Gespräch erkennt man, dass er bereit ist, nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben. Hier kann man die dritte Möglichkeit einsetzen.

Begründung nennen, warum manche Menschen bestimmte Verhaltensweisen nicht akzeptieren können: Ich habe dem IT-Fachmann aus meinem Smartphone einen Artikel gezeigt, in dem steht, warum man Enten nicht füttern soll. Wir haben den Artikel zusammen gelesen und er war sehr erstaunt, das er alles dies nicht wusste. Das war wie ein Augen-Öffner für ihn. Aus dem Nicht-Wissen, folgt Wissen, dann Akzeptanz.

Akzeptanz von allgemeingültigen Regeln und sich entsprechend zu verhalten ist ein Beispiel, wie man Dankbarkeit gegenüber der aufnehmenden Gesellschaft zurückzugeben: Muslimische Missionare benutzen dieses Prinzip der interpersonalen Kommunikation in ihrer Arbeit. Man redet mit einem Menschen solange, bis er zugibt, dass sein Verhalten nicht gottgefällig ist und er bestimmt selber seine Korrektur. Der IT-Fachmann versteht die Gründe, warum manche Menschen das Füttern von Enten nicht sehen sollen. Er versteht auch, dass Orientierung an Regeln und Konventionen stark kulturell eingebetet in Deutschland ist. Er versteht auch, dass wenn er sich an diesen Regeln und Konventionen orientiert, wird er sich zumindest nicht auffällig verhalten und nicht als eine direkte Bedrohung von manchen besorgten Bürgern wahrgenommen wird. Im Gegenzug kann das Verzichten auf eine Sache, die er gerne mag, als Möglichkeit für das Zeigen seiner Dankbarkeit interpretiert werden kann.

Was hat das ganze mit Interkulturalität zu tun? Lesen Sie nochmal in Ruhe nach: Emotionalität, Orientierung an Regeln, persönliche Distanz, Akzeptanz erst nach Begründung, zirkuläre Kommunikation usw. Was ist Arabisch? Was ist Deutsch?

Viel Erfolg beim Umsetzen!

 

Syrien und die virtuelle Welt: wonach suchen die meisten?

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Syrische Flüchtlinge! Ein Dauerthema seit Monaten in allen erdenklichen Informationskanälen. Falls man an offiziellen Staatskritiken glaubt, die man selber nicht verfälschen kann, dann wären die Zahlen von BAMF die eigentliche Quelle dafür. Folgt man einem einfachen Erklärungsschema, in dem die verschiedensten Weltanschauungen, Überzeugungen und Ideologien auf einer zweidimensionalen Skala unterschiedlichen Stufen dargestellt werden können,  wird die Welt wie ein Kontinuum mit zwei gegensätzlichen Enden aussehen: auf einer Seite die Anwärter der Lügenpresse und Verschwörungstheorien und auf der anderen Seite die eher an Objektivität, Zahlen, Daten und Fakten glauben. Doch wie findet man diesen Zahlen, Daten und Fakten im Bezug auf das Herkunftsland der syrischen Schutzsuchenden?

Fachbücher wären in dieser Hinsicht die klassischste Methode, um Zahlen, Daten und Fakten über Syrien zu bekommen. Sucht man bei Amazon nach Syrien, werden alle meistverkauften Bücher zu diesem Land nach aktuellen Erscheinungsdatum aufgelistet. Die meisten Bücher sind von Politologen, wie Michael Lüders oder Korrespondenten, wie Jörg Armbruster.  Bei diesen meisten Büchern geht es um politische Analysen für die Hintergründe des Bürgerkriegs und Fluchtursachen und viel weniger um kulturelle Hintergründe, wie z.B. Ethnologen das tun. Vielleicht ist das der Grund, warum Reisebücher über Syrien zur Liste der meistverkauften Bücher gehören. Auf dieser Liste findet man Bücher, wie Syrien: Zwischen Damaskus, Palmyra, Aleppo und Euphrat oder ein Klassiker Reise Know-How KulturSchock Vorderer Orient (Syrien, Libanon, Jordanien, Palästina): Alltagskultur, Traditionen, Verhaltensregeln. Wie in den meisten Reisebüchern, erfährt man Etwas über die Lebensweise, Traditionen und Umgangsformen der Menschen in ihren Heimatländern, allerdings unter normalen Zuständen und ohne Krieg! Übrigens die Bücher von dem Syrien-stämmigen Schriftsteller Rafik Schami gehören zur Liste der meistverkauften Amazon-Büchern! Vielleicht das ist ein reiner Zufall.

Google kann auch verräterisch sein! Google verrät, wonach die meisten Menschen in einem bestimmten Land in einer bestimmter Sprache suchen. Wonach suchen die Menschen in Deutschland auf Deutsch nach Informationen im Bezug auf Syrien? Und was sind die Ergebnisse? Ich habe es probiert (09.02.2016, 12:48). Die Ergebnisse: Platz 1 der Wikipedia Beitrag, Plätze 2 bis 5: Nachrichten aus spiegel.de, n-tv.de und sueddeutsche.de

Ganz unten > Verwandte Suchanfragen zu Syrien:

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Tippt man syrien f, dann vervollständigt Gooogle f mit Vorschlägen, wie Syrien Flagge, Syrien Flüchtlinge, Syrien Frauen, Syrien Frauenrechte. Sucht man gezielt nach  Syrien Frauenrechte, findet man kaum systematische Informationen, sondern eher vereinzelte Meldungen, wie z.B. Eine syrische Zweitfrau gibt es für 1800 Euro. Verwandte Suchbegriffe zu Frauenrechte in Syrien sind Suchbegriffe, wie Stellung der frau in syrien, syrien frauen kopftuch, rechte der frauen in syrien, frauenrechte im islam. Es ist eigentlich egal, welchen Suchbegriff man verwendet: man kommt fast immer zu den gleichen Ergebnissen und Meldungen. Man muss geduldig suchen, bis man etwas brauchbares jenseits der Sensationen findet, wie der Beitrag Gesellschaftliche und sozioökonomische Entwicklung Syriens.

Vielleicht das ist das wichtigste: um ein facettenreiches Wissen zu erreichen, das verschiedenen Perspektiven integriert, braucht der moderne Mensch eine ausgesprochene Informationskompetenz (Stichwort: Medienkompetenz!). Vor allem in dieser algorithmenorientierten virtuellen Welt, die nur Bestseller der meistverkauften Bücher und Top Keywords der meisten Clicks kennt!
Eine unbeantwortete Frage noch: warum liest jemand, der sich für Syrien interessiert und Etwas über die Verhaltensweise der syrischen Flüchtlinge wissen möchte, Bücher über die Lebensweise und Traditionen im normalen Alltag und vor dem Krieg? Zum Vergleich: ein Manager aus Südkorea wird nach Russland entsendet. Er kauft sich ein Buch über den Alltag im kommunistischen Russland in den Achtzigen Jahren und er glaubt, er weiß jetzt, was auf ihn jetzt zukommt und wie er und seine Familie die nächsten drei Jahren überstehen werden.

Methoden und Übungen für das interkulturelle Lernen

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Neben Barnga und Albatros gibt es viele Übungen zur Förderung der Selbstreflexion und der interkulturellen Verständigung. Im folgenden werden interessante Links mit direkter Sammlung von Ressourcen, Übungen und Lernmaterial:

  1. Sammlung interessanter Materialien und Methoden zur interkulturellen politischen Bildung: darunter Grundkonzepte, wie Kultur als Eisberg, Kulturen als Orientierungssysteme und Kulturstandards als deren Bauteile.
  2. Methoden für eine intersektionale Gewaltprävention: darunter die Übungen Vier Seiten der Diskriminierung, Vier Ecken, Barometer sowie Selbstlern-Module Ethnizität, Kultur bedeutet nicht Land, Kultur ist nicht Identität……
  3. Portal Intersektionalität Forschungsplattform und Praxisforum für Intersektionalität und Interdependenzen mit einem umfangreichen Methodenpool
  4. Fortbildungskonzept zur kulturellen Vielfalt im sportlichen Alltag: umfasst 120 Seiten von allen erdenklichen Übungen zur Förderung des interkulturellen Lernens, darunter das Kultur-Situation-Person-Modell, Eisberg-Modell der Kulturen, Kulturelle Identität
  5. Diversity Dynamics: Activating the Potential of Diversity in Trainings: Das Handbuch unterstützt Trainer, Diversitätsbewusstsein in ihrer Arbeit mit Gruppen in allen Feldern der non-formalen Bildung zu entwickeln und zu nutzen. Die Übungen sind in English.

Viel Spaß beim Umsetzen!

Silvester und Flüchtlinge:Knaller verbieten oder was?

Silvester rückt immer näher und ein der meisten diskutierten Themen in den Notunterkünften für Flüchtlinge ist: Was sollen wir jetzt machen? Werden schlimme Erinnerungen durch diese lauten Knaller hervorgerufen? kennen Flüchtlinge solche Feuerwerkskörper? Gibt es in den Ländern aus denen die Geflüchteten kommen, wie Syrien und Irak solche Feuerwerkskörper oder ist das nur ein westliches Phänomen? Feiert man überhaupt den Jahreswechsel in Ländern mit mehrheitlicher islamischen Bevölkerung?

Ich möchte daran erinnern, dass das Feuerwerk ursprünglich aus China stammt. Das ist ein interessantes Beispiel für Kultur als wanderndes Produkt. Viele Beiträge unterschiedlicher Qualitäten im Netz gehen auf die Frage: warum feiern wir heute Silvester und seit wann? oder Der Ursprung der Silvesterfeiern. Die historische Perspektive ist immer interessant, um einen Entwicklungszustand eines Phänomens zu beschreiben. Beschäftigt sich man häufiger mit der historischen Dimension eines Phänomens, werden Ausdrücke, wie reich westlich, weniger gebraucht. Es geht hier nicht um den sprachlichen Gebrauch, sondern um die dahinter stehenden Einstellungen, Überzeugungen, sozialen Repräsentationen und Weltvorstellungen. Alle diesen Dinge hängen mit der interkulturellen Kompetenz zusammen.

Nun die praktische Frage: was sollen wir machen? sollen wir darauf hinweisen, dass es am 31.12 und 01.01 laut wird? Ich fasse die mit vielen Organisationsteams in Notunterkünften besprochene Vorgehensweise zusammen:

  • Hinweisschilder auf Deutsch und mehrsprachig von Muttersprachlern übersetzen, überprüfen und aushängen. Dabei soll hingewiesen werden auf: was am Silvester passiert, von wann bis wann und die gesetzlichen Regeln ganz klar und explizit kommunizieren, dass es nur am 31.12 um Mitternacht und am 01.01 geknallt werden darf und danach gilt das als absolut verboten.
  • Neben dieser formellen Sache gibt es folgendes noch zu wissen:
    • Feuerwerkskörper der Klasse II (Raketen, Knaller usw., die man in Deutschland ab dem 28.12 kaufen kann) sind bekannt in Syrien, Irak und wahrscheinlich in allen Ländern der Welt.
    • Für viele syrischen Geflüchtete kann das Abfeuern von Feuerwerk viele schlimmen Erinnerungen hervorrufen. Das Feuerwerk an sich ist mit negativen Erfahrungen belegt; als das Assad-Regime 2011 mit Bombardierung des Volks bis dato angefangen hat, behaupteten seine Medien, dass diese keine Bomben sind, sondern Feuerwerk!
    • Ein Hinweisschild auszuhängen reicht meistens nicht aus, um wichtige Informationen bekannt zu machen, sondern ein direktes Gespräch mit den Bewohnern kann bessere Ergebnisse bringen.
      • Wie Sie das Gespräch mit den Bewohnern Ihrer Einrichtung organisieren können, ist Ihnen überlassen.
      • Die Umsetzung ist vielfältig:
      • Info-Veranstaltung für alle Bewohner
      • Wichtige Mitteilung in den Zeiten, wo Sie die meisten Bewohner erreichen können (z.B. Esszeiten)
      • Einzelgespräch mit wichtigen Personen, die einen Einfluss über andere Bewohner haben.
      • Mitteilung im Sprachunterricht, Kindergarten, Spielplatz, usw.
      • Das wichtigste ist, auf die gesetzliche Bestimmung sehr aufmerksam zu machen, dass jegliches Feuerwerk ab dem 02.01.2016 bis 30.12.2016 einer behördlichen Genehmigung bedarf und das Missachten dieser Bestimmung mit Freiheitsstrafe behandelt werden kann.

Das versteht man nicht: falsche Darstellung von arabischen Texten.

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Es ist wirklich seltsam: kaum ein Hinweisschild ist richtig geschrieben. Die Mitarbeiter der Organisationsteams machen sich Mühe und übersetzen alles ins Arabische bzw. in andere Sprachen, damit die Bewohner alle Informationen über Hausordnung, Mahlzeiten und Ähnliches in ihrer Muttersprache lesen können. Die Mitarbeiter beschweren sich,  dass die Schilder ungeachtet bleiben, als ob man sie nicht lesen bzw. verstehen kann.

Nach einem ersten Rundgang habe ich festgestellt, dass mindestens 6 von 10 Schildern komplett falsch sind und dass sie viele Rechtschreibfehler aufweisen, dass man die Schilder nicht verstehen kann. Diese Sache habe ich in 10 Einrichtungen für Flüchtlinge in Hessen und NRW erlebt.

Eine Mitarbeiterin hat mir ausgeschildert, wie sie die Schilder gemacht hat: “Unser ehrenamtlicher Übersetzer ist Araber und er hat uns die Worte ins Arabische übersetzt und uns als PDF Datei zugesendet. Wir haben die Datei mit unserem PDF Reader geöffnet und in unser Textverarbeitungsprogramm kopiert, formatiert und ausgedruckt”. Und genau hier liegt die Quelle des Fehlers, das öfter beim Kopieren zwischen verschiedenen Dateiformaten passiert. Arabische Sprache wird von rechts nach links geschrieben und manche Textverarbeitungsprogramme bzw. Grafik-Software erkennen das nicht automatisch und daher ist die Reihenfolge der Worte bzw. der Buchstaben fehlerhaft. Als Beispiel: man möchte den Hinweis “Frühstückszeit” übersetzen. Die richtige arabische Übersetzung wäre “مواعيد الإفطار”. Am schlimmsten wäre, wenn anstelle davon so was stehen würde ”  ا ل إ ف ط ا ر  م واع   ي د“, was ein normaler Muttersprachler nicht verstehen würde. Die Mitarbeiterin wollte ein “Frühstückszeit” Schild aufhängen, daraus ist “t i e z s k c ü t s h ü r f” geworden. Dieses Problem von Verdrehung der arabischen Buchstaben und falscher Darstellung von arabischen Texten ist ein häufig passierter Fehler. Dieser Fehler passiert fast musterhaft und egal wo, ob in einer Broschüre eines Kölner Beratungsinstituts für gewaltfreie Erziehung, oder ob in einem Katalog eines globalen Herstellers für Sensorlösungen für Logistik- und Prozessautomation oder eines spanischen Hersteller von Sportgeräten.

Die Stadtverwaltung einer deutschen Stadt hat diesen Fehler verewigt: jeder Besucher, der Arabisch kann, kann die falsche Darstellung der arabischen Begrüßung im Ortseingang des Industriegebiets bewundern. Und das ist in Metal eingraviert!

Interkulturell betrachtet kann der der deutsche Kulturstandard “Internalisierte Kontrolle” dafür als Erklärung fungieren: “Alle Beteiligten haben verläßlich zu sein. Eine Sache ist organisiert und jetzt wird von allen erwartet, daß sie sich korrekt an ihre Zuständigkeit halten und ihre Aufgabe erfüllen. Nur in diesem Zusammenspiel aller funktioniert das System” (Quelle: Sylvia Schroll-Machl, Deutschland). Denken in Zuständigkeit kann jedoch eine falsche  Erwartungshaltung und unerfüllbare Vorstellungen erzeugen. Das ist zu lösen und sich von einem “Denken in Zuständigkeit” zu einem “übergreifenden Denksystem” zu bewegen, ist eine Kunst der interkulturellen Selbstentwicklung.

 

Migranten, Flüchtlinge, Zuwanderer und Asylbewerber: die Gefahr der synonymen Verwendung

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Ist Ihnen der Unterschied zwischen Migranten, Flüchtlingen, Zuwanderer und Asylbewerbern bekannt? Haben Sie den Eindruck, dass alle diese Wörter synonym verwendet werden? Handelt es sich um das gleiche Phänomen? oder gibt es tatsächlich Unterschied zwischen Migration, Flucht suchen, Zuwanderung und Asylbewerbung?

Eine bewusste Trennung zwischen den Begriffen scheint es nicht konsequent zu geben. Auch Hilfsorganisationen und Beratungsunternehmen, die eigentlich Flüchtlingen helfen, benutzen gleiche Begriffe quasi als synonym. Eine Organisation, wie MOAS (Migrant Offshore Aid Station) ist ein Beispiel dafür. Die eigentliche Arbeit von MOAS ist die Seenotrettung von Flüchtlingen. Die Selbstbeschreibung der Arbeit der Organisation sieht so aus: “MOAS sind internationale humanitäre Helfer, Sicherheitsfachleute, Mediziner und erfahrene Seeleute, die sich zusammengefunden haben, um Katastrophen auf See zu verhindern. Sie nehmen die Notlage all derjenigen ernst, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben ohne Gewalt befinden. Anlass für die Gründung von MOAS war das Ertrinken von 400 Migranten vor der italienischen Insel Lampedusa im Jahr 2013. MOAS patrouilliert die Hauptschifffahrtswege der Migranten…….). Ein anderes Beispiel steht auf der Seite von MigrantReport mit der folgenden Selbstbeschreibung: “Migrant Report is an online project designed to track, centralize and examine the impact of human movement. Our primary focus in is in the Mediterranean as it applies to migration to Europe.” Auch Beratungsunternehmen, die Kommunikationstrainings zum Thema Flüchtlinge scheinen nicht zu unterscheiden zwischen Migration, Zuwanderung und Flucht.

Die Webseite der Tagesschau hat einen interessanten Beitrag dazu gemacht unter dem Titel Asylbewerber, Flüchtlinge, Migranten – was sind die Unterschiede? auch das Bayerische Fernsehen hat einen ähnlichen Beitrag gemacht: Flüchtlinge, Asylbewerber, Migranten Was unterscheidet sie? Ich zitiere aus beiden Beiträgen folgende Definitionen:

Flüchtlinge Definition auf BR.deAls Flüchtlinge werden nicht nur politisch Verfolgte anerkannt, sondern auch Menschen, denen wegen ihrer Rasse, Religion oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe in ihrem Heimatland Gefahr droht. Anders als bei Asylberechtigten muss diese Gefahr nicht vom Staat ausgehen, sondern kann auch von Parteien oder Organisationen stammen. Auch die Einreise über ein Drittland ist kein Problem. Wird ein Mensch in Deutschland als Flüchtling aufgenommen, hat er sofort die Erlaubnis zu arbeiten. Früher haben Asylberechtigte eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommen, Flüchtlinge nur eine befristete. Mittlerweile sind die Regelungen quasi identisch.

Flüchtlinge Definition auf tagesschau.deUmgangssprachlich sprechen wir bei den meisten Menschen, die aus Not nach Deutschland kommen, von Flüchtlingen. Juristisch ist der Begriff enger gefasst: Demnach wird nur derjenige als Flüchtling in Deutschland definiert, der unter die Bestimmungen der Genfer Flüchtlingskonvention fällt. Flüchtling nach der Genfer Konvention ist, wer eine begründete Furcht vor Verfolgung hat. Gründe können seine Ethnie, Religion, Nationalität, politische Überzeugung oder seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe sein.
Der Flüchtling weiß, dass er deswegen den Schutz seines Landes nicht in Anspruch nehmen oder wegen dieser Furcht vor Verfolgung nicht mehr dorthin zurückkehren kann.
Ein Flüchtling hat das Recht auf Sicherheit in einem anderen Land.
Ob die Bestimmungen erfüllt sind und der Mensch in Deutschland bleiben darf, prüft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft regelt Artikel 3 des Asylverfahrensgesetzes. Ein anerkannter Flüchtling hat in Deutschland dieselben Rechte wie ein Asylberechtigter. Er enthält zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre und eine Arbeitserlaubnis. Danach wird der Schutzstatus überprüft. Sofern die Anerkennung nicht widerrufen wird, kann der anerkannte Flüchtling nach drei Jahren eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erhalten..

Migranten Defintion auf BR.de: Ein Migrant ist im Prinzip jeder, der an einen anderen Ort zieht, innerhalb eines Landes oder über Staatsgrenzen hinweg. Genau genommen sind also auch Flüchtlinge Migranten. Meist ist aber von Migration die Rede, wenn jemand das Land verlässt, um seine Lebensbedingungen zu verbessern und nicht, weil er in seinem Heimatland in Gefahr ist. Migration geschieht vorwiegend aus wirtschaftlichen, politischen oder Sicherheitsgründen, beispielsweise die Aussicht auf einen besser bezahlten Job. Ein EU-Bürger hat sowieso das Recht, in jedem Land der EU zu arbeiten. Wer aus einem anderen Land kommt, braucht eine Aufenthaltsgenehmigung. Die vergibt das BAMF zum Beispiel an diejenigen, die in Deutschland eine Arbeit oder einen Studienplatz gefunden haben.

Definition von Migranten auf tagesschau.deEin Migrant ist, wer innerhalb eines Landes oder über Staatsgrenzen hinweg an einen anderen Ort zieht. Genau genommen sind also auch Flüchtlinge Migranten. Meist ist jedoch von Migration die Rede, wenn jemand sein Heimatland freiwillig verlässt, um seine Lebensbedingungen zu verbessern.

Wie unterscheiden sich Flüchtlinge, Migranten und Asylbewerber? Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, werden als “Flüchtlinge” bezeichnet. Menschen, die aus eigenem Antrieb ihr Land verlassen, gelten als “Migranten”. Menschen, die einen Asylantrag gestellt haben, über den noch nicht entschieden wurde, werden als “Asylbewerber” bezeichnet.

Bei der letzen Definition kommt es also darauf an, ob jemand gezwungenen zur Flucht ist oder ob jemand seinen Wohnort freiwillig verlegt. Beim ersten Fall reden wir klar und direkt von “Flüchtlingen” beim zweiten Fall von “Migration” bzw. mit dem deutschen Äquivalenz “Zuwanderung”. Um klare Abgrenzung zwischen den Begriffen zu schaffen, um eine inflationäre Verwendung zu vermeiden, muss man bestimmte Kriterien abfragen: Dauerhaftigkeit des Aufenthalts und wie wird das geregelt? Motivation der Flucht? Auslöser der Flucht? Intention? um einige zu nennen.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) betreut verschiedene Aufgaben: darunter Entscheidungen über Asylanträge und Abschiebeschutz und Integration von Zuwanderern sowie Humanitäre Aufnahme: “Die humanitäre Aufnahme ist eine zeitlich begrenzte Aufnahme von Flüchtlingen aus ein Kriegs- bzw. Krisengebiet”.  Diese humanitäre Aufnahme erklärt das Handeln der Politik im aktuellen Diskurs. Wahrscheinlich hätte man eine Stabsstelle für Humanitäre Aufnahme von Flüchtlingen dieses Jahr einrichten sollen, um das ganze besser zu koordinieren.

Warum ist eine klare Unterscheidung wichtig?

Durch die synonyme Verwendung von Begriffe, wie Migranten, Flüchtlinge, Zuwanderer und Asylbewerber schafft man eine neue übergeordnete Kategorie des Anderen, des Fremden, wodurch sich immer dieselbe Debatte auslöst: Wir und sie. Eigentlich ist das eine Ausnahmesituation einer humanitären Aufnahme, aber trotzdem wird die Diskussion unfrei von Kategorien ausgeführt: wir und sie. Und es läuft immer das gleiche: Angst und Gefahr vom Integrationsunwilligen, bildungsfernen Fremden, obwohl es in der aktuellen Situation um  eine humanitäre Aufnahme geht!!